Tourtagebuch Teil 1: Es geht los!

Nachdem sich in der ersten Dezemberwoche drei Sattelzüge mit insgesamt 6.424 Weihnachstpäckchen und knapp 1.000 warmen Wolldecken nebst weiteren Hilfsgütern, wie warmen Jacken und festen Schuhen auf den Weg nach Rumänien und Bulgarien gemacht haben, ist am 9. Dezember auch unser diesjähriges Weihnachtspäckchen-Team nach Rumänien gestartet.

Während Bernd, Darius, Ovidiu und Sascha sich mit dem Auto samt Anhänger auf die Reise gemacht haben, hat Helga noch unser Sorgenkind Aranka und ihre Mutter auf dem Flug zurück nach Rumänien begleit und ist dann zum Team dazugestoßen. Die Jungs haben am frühen Montagmorgen bereits die rumänische Grenze passiert und unserem Sorgenkind Marcu samt seinen 11 Geschwistern in Oradea die ersten Weihnachtspäckchen, überreicht.

Diese Päckchen waren am Vortag noch schnell unter anderem bei unserer Botschafterin Danny June Smith eingesammelt worden und durften daher im Anhänger mitreisen. Ab Dienstag werden dann die restlichen Päckchen, die unser rumänisches Team bereits ausgeladen und in eine Turnhalle gesetzt hat, sortiert und für die Verteilung vorbereitet.

Tourtagebuch Teil 2: In Rumänien angekommen

Der erste volle Tag mit dem ganzen Team in Rumänien – auch Helga ist mit unserem Sorgenkind Aranka letzte Nacht gut in Balan angekommen und der Schnee kam auch mit uns.

Nachdem wir uns zusammen mit den rumänischen Helfern vormittags in Balan in der Turnhalle getroffen und gegenseitig vorgestellt hatten, ging es daran, die insgesamt über 5.000 Weihnachtspäckchen wieder aus ihrer Transportverpackung auszupacken und zu sortieren.

Nach Alter und Geschlecht sortiert werden die Päckchen zum einen für die Schul- und Kindergartenkinder hier in Balan, aber auch für die vielen Kinder in diversen Roma-Siedlungen, die wir hier im Lauf der Woche noch besuchen werden. Das Vorsortieren der Päckchen erleichtert uns später die Arbeit beim Verteilen und wir haben schnell für jedes Kind das richtige Päckchen zur Hand. Und auch für das Kinderheim vor Ort haben wir wieder Geschenke dabei.

Im Lauf des Vormittags stießen drei junge deutsche Mädels zum Team hinzu: Mirja, Franziska und Patrisha, die alle ein Freiwilliges Soziales Jahr hier in Balan machen. Sie ergänzen nun unser Team und wir sind sehr dankbar für ihre Hilfe.

Nach dem Auspacken und Sortieren, haben wir uns mit der Schule nebenan kurz geschlossen und den genauen Ablauf für die Veranstaltung im Kulturhaus geplant, die Anzahl der Kinder in jedem Jahrgang erfragt, die Reihenfolge der Verteilung festgelegt etc. Anschließend wurden die entsprechenden Pakete für diese erste Verteilaktion in die Autos und Hänger geladen und rund 800 Pakete ins Kulturhaus transportiert, wo wir sie wieder aufgetürmt haben.

Tourtagebuch Teil 3 :Freude bereiten in Balan, im Kinderheim und bei unserem Sorgenkind Aranka

Die Vorfreude am Morgen war bei uns allen groß. Heute sollte es nun so richtig losgehen! Die 800 Weihnachtspäckchen, die wir im Kulturhaus aufgebaut hatten, sollten im Rahmen einer tollen Weihnachtsfeier an die Kinder von Balan verteilt werden. Bevor es am frühen Nachmittag soweit sein sollte haben wir jedoch am Vormittag zunächst noch alle Päckchen für die Romsiedlungen ausgepackt und sortiert.

Am frühen Nachmittag dann sammelten wir uns alle im Kulturhaus und die Sitzreihen füllten sich mit den ersten Kindern, deren erwartungsvollen Blicke auf die Bühne mit den Päckchen gerichtet waren. In zwei feierlichen Veranstaltungen mit einem tollen Rahmenprogramm unseres rumänischen Teams kam dann so richtig Weihnachtsstimmung auf.

Die Aufgabe von Darius im Programm war, den Kindern etwas davon zu erzählen, warum wir als Team hier sind, warum wir Weihnachten feiern, und wie ein Leben mit Jesus einen Menschen wirklich glücklich machen kann. Nacheinander kamen dann alle Kinder auf die Bühne und bekamen persönlich ihr Weihnachtspäckchen überreicht. Kaum waren die „jüngeren Kinder“ aus der Halle, füllte sie sich erneut mit den höheren Klassen und auch hier vollzogen wir das identische Programm. Besonders hervorheben möchte ich hier Franziska, Patrisha und Mirja, die uns unterstützen und aufgrund ihrer Rumänisch-Kenntnisse jedes Kind auf Rumänisch ansprechen konnten. Sie umarmten jedes Kind so freudestrahlend, dass schwer auszumachen war, wer sich mehr freute, die Schenkenden oder die Beschenkten. Die Bilder sprechen Bände. Danke für diese Hilfe!!!

Außerdem besuchten wir heute noch mit genügend Zeit und Ruhe unser Sorgenkind Aranka, um ihr ein speziell für sie gepacktes Weihnachtspäckchen von zwei Physiotherapeutinnen aus Bad Kissingen zu überbringen. Wir gingen also als gesamtes Deutsches Team zu ihr in die vom Kinderzelt zur Verfügung gestellte Wohnung und haben sie dort besucht. Als jemand, der in der ersten Stunde im letzten Jahr im Pferdestall dabei war, als wir Arankas Familie das erste Mal besuchten und das jetzt sieht, kann ich sagen: Es ist kein Vergleich! Aranka geht es jetzt erheblich besser, sie wirkt richtig lebendig und spielte ausgiebig mit dem Spielzeug, das im Paket war. Hier kann man sehen, wie schnell Hilfe ankommt und wie effektiv es sein kann. Auch die neue Brille scheint ihren Dienst zu tun. Viel intensiver als sonst betrachtete Aranka jedes neue Spielzeug, das aus der großen Kiste zum Vorschein kam und war freudig aufgeregt.

Zum Abschluss des Tages sind wir dann abends alle zusammen ins Kinderheim nach Subcetate gefahren und haben auch dort Päckchen verteilt. Nachdem uns die Kinder dort mit einigen rumänischen Weihnachtslieder begrüßt hatten, durften sie ihre Pakete in ihren Zimmern öffnen und ihre neuen Sachen ausprobieren. Dabei mischten wir uns unter die Kids, spielten mit ihnen und  konnten mit den Älteren gute Gespräche führen. Wir erfuhren, wie sie sich ihre Zukunft vorstellen, welche Wünsche und Träume sie haben. Auch hier alles in allem eine sehr berührende Zeit.

Tourtagebuch Teil 4: Päckchen für die Ärmsten Kinder Europas

Es war Freitag – der für uns erklärte Großkampftag. Auf dem Programm standen die zwei großen Roma-Siedlungen, Fabrica und Karpatenstrasse am Stadtrand von Gheorgehni. Diese beiden Siedlungen stehen direkt Rücken an Rücken, sind aber dennoch voneinander getrennt. Uns erwartete die pure Armut, die ärmsten Menschen Europas. Die Fabrica hat rund 40 Häuser. Nicht selten leben in einem Haus weit mehr als 10 Personen, oft drei Generationen. Ein solches Haus besteht in aller Regel aus einem Zimmer, in dem gegessen, gekocht, geschlafen und gelebt wird. Vor der Siedlung steht eine Wasserpumpe – die einzige Wasserversorgung für rund 500 Menschen, wenn sie im Winter nicht eingefroren ist.

Da die Verteilung eine sehr kraftraubende Aufgabe werden würde, haben wir im Vorfeld keine weiteren Aktivitäten geplant. Treffpunkt mit allen rumänischen Helfern war um 12 Uhr Mittags, um diese Zeit sollten die meisten Menschen dort zu Hause sein. Für große Verteilaktionen in diesen Siedlungen erhalten wir regelmäßig Unterstützung durch die örtliche Polizei. Wo Menschen unter dermaßen erbärmlichen Umständen leben, kann es schon mal zu Rangeleien kommen und die Stimmung kippen, wenngleich uns die Familien hier mittlerweile kennen und auch in den letzten Jahren alles recht geordnet ablief.

Mein persönliches Highlight war, ein erst eine Woche altes Neugeborenes inmitten dieser Umstände zu finden. Ich hatte einen sehr warmen Babyschlafsack von einem Kindergarten aus Hochheim am Main als Spende dabei, den ich direkt einem Baby überbringen wollte. Und dank Franziska, die mit ihren Rumänisch und Ungarisch Kenntnissen mir etwas helfen konnte, verstand ich die Sorgen der jungen Mutter gut. Die Mama war etwa 20 Jahre alt und dies war ihr drittes Kind! Sie war sehr glücklich bei Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt nun etwas Warmes für Ihr jüngstes Kind zu bekommen.

In der Karpatenstrasse war die Armut teilweise noch etwas größer und die Hütten noch notdürftiger. Es wurde schon leicht dämmrig als wir hier mit der Verteilung begannen. Mit der Zeit wurde selbst uns in unseren schönen warmen Winterjacken kälter und kälter und so waren wir froh, als wir endlich alle Kinder dort mit Päckchen, warmen Decken, dem ein oder anderen Paar Schuhe und warmen Jacken versorgt hatten.

Eins bleibt am Ende eines solchen Tages für mich noch festzuhalten: Die Armut hier ist wirklich unendlich groß und die Menschen versuchen aus allem etwas zu machen. Selbst die Pappen, die in unseren Autos die Weihnachtspäckchen voneinander trennten, ergatterten sich einige Kinder und nutzten sie gerne, um darauf freudestrahlend und grölend einen Abhang hinunter zu rodeln. Ich habe in Deutschland noch nie ein Kind auf einem Stück Pappe rodeln sehen – hier waren die Kids froh, so etwas zu haben. Diese Beobachtung hat mir aber auch gezeigt: So groß die Armut auch ist, das Lächeln in den Gesichtern der Kinder und Menschen ist so voller Freude, wenn wir Ihnen begegnen und Gutes tun. Und das ist so einfach, es sind einfach Eure Weihnachtspäckchen mit ganz normalen Dingen des alltäglichen Lebens und gespendete Kleider wie Schuhe und warme Jacken, die hier unendlich wertvoll sind.

Tourtagebuch Teil 5: Familienbesuche, Patenpakete und praktische Hilfe

Eigentlich könnte man denken, unsere Weihnachtspäckchen-Verteilung sei abgeschlossen. Denn die Schul- und Kindergartenkinder von Balan haben ihr Päckchen bekommen, zahlreiche Roma-Siedlungen sind besucht und mit Päckchen versorgt worden – was fehlt da noch?

Natürlich: Es gibt eine Vielzahl an Patenschaften von deutschen Familien mit Kindern aus Balan oder auch den Roma-Siedlungen. Und viele dieser Patenfamilien packen zu Weihnachten ein persönliches Päckchen für ihr Patenkind, das wir natürlich gern mitnehmen. Soweit möglich überreichen wir all diese liebevoll gepackten Patengeschenke dann auch persönlich, richten herzliche Grüße der Patenfamilien in Deutschland aus und dokumentieren diesen besonderen Moment für die Patenfamilie mit Bildern oder kurzen Videos.

Also haben wir heute Vormittag eine ganze Reihe Patenkinder in Balan besucht und diese besonderen Pakete überbracht. Nicht alle haben wir angetroffen, die restlichen Geschenke werden dann rechtzeitig vor Weihnachten noch von unseren rumänischen Helfern überbracht werden. Durch diese Besuche bekamen wir mit,  wie es den Familien so geht, was so gekocht wird, und wie sich die Familien auf Weihnachten vorbereiten.

Am Mittag und Nachmittag besuchten wir dann noch Familien in den sogenannten Blocks in Gheorgheni: Hier wurden am Stadtrand mehrere große Mehrfamilienhäuser mit EU-Geldern gebaut und Roma-Familien aus der Karpatenstraße umgesiedelt, um ihre Lebensbedingungen zu verbessern. Eigentlich eine gute Idee, so mag man meinen. Allerdings waren es diese Menschen bisher nicht gewohnt in geschlossenen Wohnungen zu leben und die hygienischen Umstände in den Wohnungen waren alles andere als gut. Auch können die Menschen hierher natürlich nicht ihre Tiere, wie Hühner, Schweine und Pferde mitnehmen, die ihnen bisher einen großen Teil des Lebensunterhaltes gesichert haben. Es bleibt also die Armut. Die meisten Bewohner der Blocks haben keine Jobs, verdingen sich als Tagelöhner oder sind im Sommer einige Monate zur Erntearbeit in Deutschland. Ansonsten leben die meisten Familien von nur rund 75 EUR Sozialhilfe im Monat.

Zum Abschluss des Tages konnten wir noch einige  Geldspenden gut investieren. Wir suchten uns in einer noch übrig gebliebenen Roma-Siedlung vier Familien aus, die uns wirklich sehr bedürftig erschienen und nahmen sie mit in den Supermarkt. Jede Familie bekam dort einen ganzen Einkaufswagen voll Grundnahrungsmittel. Zucker, Kartoffeln, Nudeln, Reis, etwas Fleisch – alles war dabei und zumindest ein würdevolles Essen für die Weihnachtstage ist somit gesichert. Im wilden Schneetreiben hat Bernd dann alle samt dem großem Einkauf wieder nach Hause gefahren, während für uns der Abend langsam ausklang.

Wieder ein Tag mit unendlich vielen Kindern, unendlich viel Armut – aber auch vielen strahlenden Kinderaugen, die sich über ihr Päckchen, eine warme Decke oder einfach unseren Besuch sehr freuten!

Das Tourtagebuch 2018 wurde verfasst von Darius Gevelhoff

Und nun bleibt noch: Herzlich Danke zu sagen

Danke…

… für jedes einzelne Päckchen von Kindergärten, Schulen, Kirchengemeinden, Privatpersonen, Firmen, aus Deutschland, aus Luxemburg

… für Spender, die schon während des Jahres zum Beispiel mit Kaffee- und Kuchenverkauf Geld für die Geschenke gesammelt haben

… für kleine und große Aktionen, so zum Beispiel Claudia mit ihren Freundinnen und Freunden, Monika & Paul samt girls and boys, Marina und ihre Mädels

… der SumiRiko AVS Germany GmbH, Euroalpin Transport und Logistik für die Unterstützung und Durchführung der Transporte

… den Sammelstellen sowie Multiplikatoren und allen, die vom kunterbunten Kinderzelt erzählt und geschrieben haben

… der Metzgerei Robert Müller, Frucht Hartmann in Fulda, dm-drogerie markt in Wächtersbach

… allen Strick- und Häkelfrauen für Schals, Mützen, Handschuhe, Socken und Häkeldecken

… allen, die uns mit Wolldecken sowie Gummistiefeln unterstützt haben

… allen, die uns spezielle Lebensmittelpakete mit auf den Weg gegeben haben

… allen „vor und hinter den Kulissen”

… allen, die uns bei der Verteilung geholfen haben

… allen fleißigen Helferinnen und Helfern in Deutschland und in Rumänien

… allen, die uns mit Geldspenden unterstützt haben

… allen, die wir nun in dieser Auflistung womöglich doch vergessen haben

DANKE allen, die uns unterstützt und die Aktion verfolgt haben.

(Euer Weihnachtspäckchen-Team 2018)