Nachdem nun alle Babys, Kindergarten- und Schulkinder Balans beschenkt worden sind, geht es an den beiden folgenden Tagen darum, die Aussiedlerhöfe und Romasiedlungen in Sandominic und Gheorgheni zu besuchen und mit Weihnachtspäckchen zu versorgen.

Ein ganzer Konvoi von Autos und Anhängern wird mit Päckchen beladen – systematisch geordnet nach Alter und Geschlecht. Die Weihnachtspäckchen für die Kinder in den Romasiedlungen haben im Vergleich zu denen für die Kinder in Balan einen deutlichen Lebensmittel-Schwerpunkt. Aber auch hier darf es nicht an einer liebevollen Zugabe fehlen, die Kinderaugen zum Leuchten bringt: Kuscheltiere oder Spielsachen befinden sich in fast jedem Geschenkpaket.

Wenn uns die Armut in Balan bereits betroffen macht, so müssen wir in den Romasiedlungen feststellen, dass das Elend noch viel schlimmer sein kann. Wenn in Balan die Küchen und sanitären Anlagen manchmal marode und nur bedingt nutzbar sind, so existieren sie zumindest. Aber hier: kein fließendes Wasser, kein Strom, null Isolierung, undichte Dächer, kleine Einraumhütten, die zum Teil mehr als zehn Menschen Unterkunft bieten müssen. Von den unbefestigten Wegen ganz zu schweigen.

In Sandominic verläuft zudem eine Eisenbahnlinie mitten durch die Siedlung, auf der regelmäßiger Bahnverkehr ungebremst und ohne jede Vorsichtsmaßnahme fährt – dazwischen spielende Kinder. Auf den Zäunen hängt überall Wäsche zum Gefrier-Trocknen. Geheizt wird mit kleinen Holzöfen, falls vorhanden. Verfeuert wird alles, was brennbar ist. Es handelt sich um ein Leben auf der Müllhalde und uns verwundert, wie fröhlich uns die Kinder entgegenkommen.

Offensichtlich werden wir erwartet. In Begleitung unserer Ungarisch und Deutsch sprechenden Helfer gehen wir von Hütte zu Hütte und erfragen Anzahl, Geschlecht und Alter der Kinder. Dementsprechend stellen wir anschließend die Päckchen aus unserem Bestand zusammen. Dazu gibt es für jeden Bewohner der Siedlung eine wärmende Decke, für jede Hütte Kerzen, Streichhölzer und alles, was wir an Lebensmittelspenden mitgebracht haben, zum Beispiel Kekse, Babynahrung und Orangen.

Parallel zur Päckchen-Verteilung floriert unser “Flohmarkt” in einem geschützten Innenhof. Dort haben wir in offenen Bananenkisten unsere Hilfsgüter geordnet: Winterschuhe und Gummistiefel, handgestrickte warme Socken, Schals, Mützen und Handschuhe, Jacken, Mäntel, warme Pullover. Familienweise dürfen die Leute den Flohmarkt besuchen und unsere Hilfsgüter finden – zum Teil im wahrsten Sinne des Wortes – reißenden Absatz. Am Ende des Nachmittags sind unsere Kisten leer… Kein Strumpf wurde vergebens gestrickt, keine Jacke unnötig gespendet.

Heute ist es mit zwei Grad und Sonnenschein vergleichsweise mild. Die Wege der Siedlung, die bereits fest gefroren waren, sind wieder aufgetaut und haben sich in matschige Schlammpisten verwandelt. Hier wird besonders deutlich, wie sinnvoll das Sammeln von Gummistiefeln in allen Größen ist.

An dieser Stelle sei allen Spendern, Sammlern und eifrig strickenden Händen noch einmal ein herzliches DANKESCHÖN gesagt.

Birgit, für das Weihnachtspäckchen-Team 2019