Die kunterbunte Päckchenwand in der Turnhalle in Balan leert sich allmählich… Zum einen soll das natürlich so sein. Zum anderen bedeutet das für unser Helferteam, dass unsere Reise, die wir Dank unzähliger Spenden in guter Tradition organisieren und durchführen konnten, bald schon wieder zu Ende geht. 

Am Dienstag haben wir unter anderem die Päckchen für befreundete Kinderheime, Kindergärten, Schulen und Kirchengemeinden passend zum Alter der jeweiligen Zielgruppe heraussortiert und wie gewohnt in unsere Anhänger eingeladen. Mittlerweile kennen wir jeden Handgriff. Wir haben einmal überlegt, über wie viele Stationen und durch wie viele Hände eure wunderschönen Weihnachtspäckchen auf ihrem Weg eigentlich wandern, bevor sie ihr Ziel erreichen und Kinderherzen glücklich machen: Von euch gepackt und in der Sammelstelle abgegeben, entgegengenommen und ins Lager des Kinderzelts gefahren, dort in Transportkisten verstaut, nach der langen Reise in Rumänien wieder aus den Kisten herausgeholt, sortiert und vor die Hallenwand gestapelt, nach Bedarf in die Anhänger geladen, dann beispielsweise zu den Hütten gebracht… und endlich verschenkt 🙂 Dort verliert sich zwar die Spur des Schuhkartons, aber die Freude über seinen Inhalt hält noch lange an!

Auf unserem Weg nach Gheorgheni, der Stadt mit dem schönen deutschen Namen “Niklasmarkt”, wollten wir einem Patenkind das Geschenk seiner Patenfamilie aus Deutschland überbringen. Schade, dass wir niemanden angetroffen haben! An dieser Stelle noch einmal Danke an unsere Ungarisch sprechenden Helfer, ohne die wir echt Probleme hätten… Leider wurde die Familie seit gestern nicht mehr gesehen und keiner weiß so genau, wohin sie gegangen ist. Irgendwie erreichbar sind weder diese Leute noch haben die Nachbarn ein Telefon, um uns zu informieren, sobald die Familie wieder nach Hause zurückkommt. Im 21. Jahrhundert eigentlich unvorstellbar – aber hier in der Gegend für sehr viele Menschen Realität. Wir versuchen unser Glück in den nächsten Tagen einfach noch einmal!

Anschließend überreichten wir eure wunderschönen Päckchen in den Wohnblocks von  Gheorgheni. Die Vorgehensweise war die gleiche wie in den Romasiedlungen, nur dass wir uns hier sportlich betätigen und unzählige Treppen steigen mussten, in Treppenhäusern, die schon mittags dunkel waren – elektrisches Licht gibt es nicht.

 

Danach folgte ein weiterer Höhepunkt für uns: Wir haben die von Paten in Deutschland für ihre Patenkinder in Rumänien gepackten Pakete in die Romasiedlung in Gheorgheni gebracht. Die Patenkinder empfingen uns in der Kirche, wo gesungen (Sprachbarrieren gibt es in der Musik bekanntlich nicht) und miteinander gelacht wurde – eine wunderbare Stimmung, die wir gerne für euch “eingefangen” hätten! Wir verteilten die Geschenke an die Kinder und zusätzlich gab es für jeden ein bisschen Schokolade… sowie Zahncreme. Es war ein tolles Gefühl, als die Kinder, die wir im Laufe der letzten Jahre kennengelernt haben, auf uns zukamen, uns anlächelten und vielleicht sogar auf Deutsch ein “Dankeschön” über ihre Lippen brachten.

Ein echter traditioneller Leckerbissen wurde uns abends serviert: Es gab Sarmale, rumänische Krautrouladen. Wir haben natürlich keine Reste übrig gelassen und den gemeinsamen Abend nett ausklingen lassen. Nach Tagen voller Erlebnisse und neuer Eindrücke nähern wir uns ein bisschen wehmütig dem Abschluss unserer Weihnachtspäckchentour. Inzwischen haben wir noch weitere Familien besucht, unzählige Geschenke überreicht sowie Informationen im Hinblick auf zukünftige Aufgaben und Projekte erfragt: Wie geht es gesundheitlich? Was kann Das kunterbunte Kinderzelt tun, um in Notlagen zu helfen? 

Mehrmals haben uns bisher unbekannte Familien bei Freunden erwartet, um von ihren Problemen zu berichten:

  • Ein Junge mit verkürztem Bein und fortgeschrittener Skoliose, der momentan bei Nachbarn untergebracht ist, da seine Eltern Verwandte besuchen
  • Eine Familie, die sich einen Stromanschluss für ihr Haus wünscht
  • Junge Männer, die gerne arbeiten wollen, aber nur als Tagelöhner Beschäftigung finden…

Die Not vor Ort ist noch immer groß.

Auf der Weiterfahrt haben wir bei vier sehr ärmlichen Hütten in Valea Stramba Halt gemacht. Kurzerhand sind wir oben an der Hauptstraße stehen geblieben, haben gehupt, gewartet, bis die Bewohner zu uns kommen… und dankbar eine große Kiste voller Kerzen entgegennehmen. Gleich aufgefallen ist uns ein kleiner Junge mit Bommelmütze und warmer Jacke. Ich weiß sogar, wer diese Präsente gepackt hat 🙂

Nachmittags haben wir dann unser ehemaliges Sorgenkind Maria und ihre Familie in Gheorgheni besucht: Ein Spiegel hängt außen an der Hütte, Waschschüssel und Seife stehen darunter auf dem Fußboden. Und das bei Temperaturen um den Gefrierpunkt…. Ein Highlight für alle Beteiligten war es, mit Maria und ihrem Vater Janosch Lebensmittel einzukaufen: Dinge, die bei uns ganz selbstverständlich zum täglichen Leben gehören, die sie sich aber normalerweise nicht leisten können, ließen ihre Herzen dankbar höher schlagen…

Abends trafen wir uns noch zum Essen mit den Helfern und deren Partner: Wir wollten uns verständlicherweise bei ihnen für ihre tatkräftige Unterstützung bedanken.

Matthias, für das Weihnachtspäckchen-Team 2019