Tourtagebuch Teil 2

Heute brach für uns der zweite Tag der Verteilung der Weihnachtspäckchen hier in Rumänien an. Nachdem wir gestern in die kleineren Siedlungen im Umkreis die Päckchen bringen durften, war für den heutigen Tag die Verteilung in der größten Roma-Siedlung, die wir betreuen, geplant. Erneut haben wir uns mit dem rumänischen Team am Lager getroffen, haben Autos und Anhänger wieder mit Paketen, Lebensmitteln und Decken beladen und machten uns auf den Weg in die Siedlung an der Stadtgrenze von Gheorgheni. Diese Siedlung betreuen wir bereits seit sehr vielen Jahren. Sie war eine der ersten Siedlungen, die wir am Anfang unserer Arbeit im Jahre 2003 regelmäßig besucht und unterstützt haben.  Viele Kinder, die bereits vor vielen Jahren Pakte erhalten haben, sind nun selbst Eltern mit eigenen Kindern. Über mehrere Generationen hinweg kennen viele Familien uns und unser Herz für ihre Not bereits

Während der Verteilung in dieser großen Siedlung wurde es zwischenzeitlich auch mal etwas unruhig und chaotisch, da so viele Kinder es kaum erwarten konnten, ihr Päckchen zu erhalten. Wir erlebten jedoch, dass die Zusammenarbeit mit dem rumänischen Team dieses Jahr dort besonders gut klappte und sich die Lage schnell wieder beruhigte. Gerade bei der Weihnachtspäckchenaktion ist eine gut funktionierende Teamdynamik äußerst wichtig, um auch für die Kinder den Moment der persönlichen Päckchenübergabe so wertvoll gestalten zu können wie es nur geht. In diesem Jahr durften wir uns über eine personelle Erweiterung unseres deutschen Teams um zwei Personen freuen, welche unsere Arbeit hier vor Ort unterstützt und bereichert haben. Timea, die zum ersten Mal dabei war, möchte Euch nachfolgend ein wenig aus ihrer Perspektive berichten:

„Auf den ersten Blick sieht es in der Siedlung so aus, als wären wir auf einem Feriencamp. Baufällige Hütten aus Holz, Stein… Alles schief und sehr klein. Durch das Fenster gucken uns die Kinder, die zu schüchtern sind uns entgegenzurennen mit großen Augen an. Überall liegt Müll rum. Manche Familien haben ein oder zwei Pferde und eine Kutsche. Ganz selten sieht man mal ein Auto. Die Hütten bestehen meist aus einem Raum. Keine Wasserversorgung, kein Badezimmer, kein Strom. Nur meistens einen kleinen Ofen, der das Zimmer warm hält und mit dem gekocht wird. Geschlafen wird auf dem Boden, manche haben ein Bett für die achtköpfige Familie. Das Familienbett ist hier kein neues Konzept sondern notwendig, es gibt keine andere Option. Die Kinder freuen sich riesig über die Pakete, die Älteren kennen es schon, versuchen teilweise mehrere Pakete zu bekommen, verstecken sich dann auch mal in den anderen Häusern.

Die Mützen und Handschuhe werden direkt angezogen, denn trotz kalter Temperaturen laufen manche Kinder hier barfüßig im Matsch rum und ich habe kaum ein Kind mit Jacke gesehen, während ich trotz Winterjacke am Frieren war.

Gegen Ende der Verteilung, auf dem Weg zu einem der letzten Häuser hörten wir sehr laute Musik und eine ausgelassene Stimmung. Eine große Gruppe Roma, alt und jung, es wurde gefeiert und getanzt, die bunten Röcke wurden geschwungen. Am liebsten hätte ich mitgetanzt, aber ich hätte mich maßlos blamiert. Trotz und inmitten großer Armut, Gelächter und strahlende Gesichter zu sehen hat mich sehr berührt. Einen Teil ihrer Kultur zu sehen war wunderschön. Während wir dem ausgelassenen Tanz zusahen, äußerte unser Kameramann ergriffen: „Dies ist deren Geschenk an uns!“

„Es ist immens wie viel Orga und andere Dinge im Hintergrund laufen müssen, damit hier vor Ort geholfen werden kann und Kindern eine Freude gemacht wird. Dazu gehört auch Beziehungen aufzubauen, über Jahrzehnte. So viele Menschen sind daran beteiligt, von euch, die die ihr spendet und betet, mithelft Päckchen zu packen, Personen die alles lagern, checken… in Deutschland bis hier her in Rumänien. Wo kann gepackt werden, welche Familien benötigen am meisten Hilfe, Personen, die beim Verteilen helfen, die einen Überblick behalten, wie viele Kinder gibt es wo. Gibt es kranke Kinder?…“

 – Timea Zaiß, Krankenpflegerin, zum ersten Mal in Rumänien dabei.

Wie ihr seht braucht es viele Hände, bis ein Päckchen schließlich von einem Kind in den Händen gehalten und freudig ausgepackt wird.

Während der heutige Tag recht voll war, wird der morgige Tag etwas ruhiger. Doch es gibt immer was zu berichten…