Ein Kind im Stall

Ein Kind mit seiner Familie zu Weihnachten in einem Viehstall für Christen im ersten Moment kein befremdlicher Gedanke. Und doch wurde genau eine solche Begebenheit für uns zum schockierendsten und emotionalsten Ereignis der letzten Weihnachtspäckchenaktion.

Während der Fahrt zu einer Verteilstelle für unsere Weihnachtspäckchen in Rumänien begab es sich, dass wir spontan die Pferdekutsche einer vorbeifahrenden Roma-Familie stoppten, um auch diesen Kindern Weihnachtspäckchen und  ein paar warme Decken zu übergeben.

Nachdem die Kutsche und unser gesamter Autokorso angehalten hatten, entdeckten wir neben dem neunjährigen Mädchen auf dem Kutschbock im Inneren der Kutsche noch zwei, durch die nasskalte Witterung stark unterkühlte und frierende, Kinder samt Mutter. Nicht nur, dass die Kinder froren, nein eines der Kinder war offensichtlich auch noch körperlich und geistig behindert. Für uns ein Grund mehr, der Familie  nicht nur sofort warme Decken, Kerzen und Weihnachtspäckchen zu überlassen, sondern Näheres über deren Herkunft und Wohnort in Erfahrung zu bringen.

Bereitwillig erzählte die Mutter vom Schicksal der Familie: Im letzten Jahr hatten sie ihre Hütte durch einen Brand verloren und seien nun wohl sehr notdürftig bei Bekannten in der Gegend untergekommen. Da wir uns entschlossen hatten, der Familie noch ein Lebensmittelpaket vorbei zu bringen, erfragten wir die genaue Adresse und machten einen Besuch für den kommenden Tag aus.

Was uns jedoch bei diesem Besuch erwartete, erschütterte selbst unsere erfahrensten Helfer!

Die Unterkunft der Familie erwies sich als marode Hütte, die von den Besitzern zuvor als Pferdestall genutzt worden war. Unter schlimmsten hygienischen Bedingungen in eisiger Kälte, harrte die Familie dort mit den drei Kindern aus. Am meisten litt die 7-jährige Aranka unter diesen Umständen. Aranka, so erfuhren wir, kam mit einem sogenannten Wasserkopf”, einer schweren Behinderung, auf die Welt. Sie ist seit ihrer Geburt spastisch gelähmt, geistig behindert und auf intensive Betreuung und Pflege angewiesen.

In ihren ersten Lebensjahren wurde Aranka noch medizinisch versorgt. Seit der Trennung von Arankas Vater vor vier Jahren, war es der Mutter jedoch nicht mehr möglich, das Mädchen zum Arzt zu bringen, geschweige denn Geld für die teuren, aber dringend notwendigen Medikamente aufzubringen. Auch konnten die beiden anderen Kinder, ein 8-jähriger Junge und das 9-jährige Mädchen, durch diese Wohnsituation nun nicht mehr zur Schule gehen. Alles in allem eine wirklich trostlose Situation.

Diese Not bewegte uns so sehr, dass wir sogleich entschlossen waren, uns hier zu engagieren. Und so begannen wir schon vor Ort zu überlegen, wie der Familie und besonders der kleinen Aranka schnell und effektiv geholfen werden könnte.

Als Übergangslösung fanden wir eine vorübergehend leer stehende Wohnung einer unserer Patenfamilien in der benachbarten Kleinstadt Balan. In einer Hauruck-Aktion des rumänischen Teams wurde diese Wohnung in den kommenden Tagen noch schnell fertig renoviert und ein wenig eingerichtet, so dass die überglückliche und dankbare Familie dort noch vor Weihnachten einziehen konnte. Außerdem versorgten unsere Mitarbeiter sie mit Lebensmitteln, Kleidung, Spiel- und Haushaltswaren und brachten Aranka zum Arzt, wo sie erst einmal auf Kosten des Vereins mit den wichtigsten Medikamenten versorgt wurde.

Doch wie sollte es nun weitergehen? Die notdürftig hergerichtete Wohnung kann längstens bis Ende April genutzt werden und für Aranka wäre eine intensive medizinische Abklärung ihres Gesundheitszustandes und möglicher Therapien in Deutschland mehr als wünschenswert.

Alle Bemühungen der kommenden Wochen, eine bezahlbare Mietwohnung für die Familie zu finden, blieben erfolglos. Kein Vermieter erklärte sich bereit, eine Roma-Familie zu beherbergen.

Bei unserem Besuch in Rumänien vor Ostern fanden wir dann zu unserer aller Überraschung eine günstige, sofort bezugsfähige Erdgeschosswohnung in Balan, die wir nun für die Familie kaufen möchten. Darüber hinaus hat sich die Uniklinik Marburg inzwischen bereit erklärt, Aranka aufzunehmen, zu untersuchen und ggf. zu behandeln. Auch konnte geklärt werden, dass die beiden anderen Kinder zum neuen Schuljahr die Schule in Balan besuchen können - Hoffnungsschimmer!

 

Um dies alles möglich zu machen und Aranka und ihrer Familie eine langfristige Perspektive zu bieten, braucht es nun finanzielle Mittel. Daher freuen wir uns über jede Spende, die uns bei diesem Vorhaben unterstützt, damit es gelingt, auch diesem Mädchen eine bessere Zukunft zu ermöglichen.

Bitte helft uns, Aranka zu helfen!

Aranka ist nun endlich in Deutschland, alle aktuellen Infos findet ihr in unseren News:

https://daskunterbuntekinderzelt.de/?p=4253&preview=true

 

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